Asylvorteil

Auch sehr viele, die davon überzeugt sind, dass es unsere moralische Pflicht ist, Menschen in Not aufzunehmen, halten Asylanten*) für eine Last. Eine Last, die wir tragen müssen, aber immer noch eine Last. Wen wundert's, dass es Zeitgenossen gibt, die der Auffassung sind, ohne eine solche Last könnten wir besser leben?

Wenn es gelänge, die Zeit zu beiderseitigem Vorteil zu nutzen, die Asylanten in Deutschland oder anderen westlichen Ländern verbringen müssen, dann müssten selbst ausländerfeindliche Stimmen leiser werden. Dazu eine Idee:

auf Deutsche Produkte schulen

SeminarraumUnter den Asylanten sind Menschen, die in Branchen arbeiten, die auch für deutsche Unternehmen interessant sind und die Deutsch oder Englisch sprechen. Warum bieten wir dieser Teilmenge von Asylanten nicht Schulungen auf deutsche Produkte an (bzw. warum tun Franzosen das nicht mit französischen Produkten, Engländer mit englischen,...)? Der Asylant, der im Schulungszentrum eines weltweit tätigen deutschen Unternehmens als weiterer Zuhörer sitzt, kostet diese Firma fast nichts. Aber wenn er später am Wiederaufbau seines Heimatlandes mithilft, hat das deutsche Unternehmen einen einheimischen Fachmann vor Ort, der deutsche Produkte einsetzen wird, weil er darauf geschult ist. Diese Chance gibt es nicht nur in all den Branchen, in denen deutsche Unternehmen später Produkte für den Wiederaufbau von heute instabilen Ländern liefern möchten, sondern immer dann, wenn deutsche Unternehmen bereit sind, weitsichtig in Märkte zu investieren, die nach ein paar Jahren bedeutsam sein werden. Warum nicht jetzt die Fachkräfte ausbilden, die deutsche Hotelketten, deutsche Banken, deutsche Produktionsunternehmen später in heute unstabilen Ländern brauchen? Die künftigen Fachkräfte haben JETZT die Zeit, sie sind JETZT hier!

Ist das DIE Lösung für das Asylproblem?

Es ist sicher nur eine Komponente. Denn natürlich können nur Asylanten an Schulungen teilnehmen, die die jeweilige Schulungssprache beherrschen und die fachlich ähnliche Voraussetzungen mitbringen, wie die anderen Schulungsteilnehmer. Doch es gibt eine Unmenge von Schulungen mit ganz verschiedenen Voraussetzungen, und es ist denkbar, dass für sehr viele Asylanten eine passende Schulung gefunden werden kann. Baubereich, Handwerk, Gastronomie, Banken, Einzelhandel, Landwirtschaft, Schulen,.... es werden später beim Wiederaufbau der Länder ganz unterschiedliche Menschen gebraucht, und das Land, das diese Menschen während ihrer Asylzeit ausbildet, wird enorme wirtschaftliche Vorteile haben (ich finde es richtig, wenn beide Beteiligten Vorteile haben, und ich finde es auch richtig, wenn westliche Länder immer wieder auch sichtbar machen, welche konkreten Vorteile ihre Kultur von Freiheit und Offenheit für alle Beteiligten schafft).

Lohnt sich das?

M.E. ja, denn die Kosten, einen weiteren Zuhörer in einer Schulung sitzen zu haben, die ohnehin läuft, sind kaum erwähnenswert. Und der Nutzen kann enorm sein. Mit dieser Idee würde Deutschland seine freie, offene, vielfältige Kultur nutzen, um aus einer für alle Seiten unbefriedigenden Situation für beide Seiten einen Vorteil zu schaffen. Ein Problem würde zu einem Vorteil gedreht, freie westliche Kultur würde wieder einmal zeigen, dass sie auch wirtschaftlich Vorteile generiert, die das Leben der Beteiligten spürbar verbessern. Ganz zu schweigen von der Verbesserung der emotionalen Situation / Lebensqualität aller Beteiligter während der leider notwendigen Asyljahre.

Ist das legal?

M.E. ja, denn Asylbewerber sollen nach geltender Praxis in Deutschland nicht integriert werden, nicht arbeiten, sondern ihnen soll Sicherheit gegeben werden, und sie sollen in ihre Heimatländer zurück, sobald es dort wieder sicher ist. Das hier vorgeschlagene Vorgehen bereitet genau dies regelrecht vor, fügt der Rückkehr-Vorbereitung aber einen beidseitigen Vorteil hinzu.

Ist das fair?

M.E. ja, denn Asylbewerbern wird eine kostenlose Ausbildung angeboten, und wer dieses (freiwillige!) Angebot annimmt, hat später nicht nur in seinem Heimatland bessere wirtschaftliche Chancen, sondern auch in evtl. anderen Ländern, in die er vielleicht geht.

Spricht etwas dagegen?

Ich (Reinhard Wiesemann) trage diese Idee seit Monaten mit mir herum und habe sie bereits mit vielen besprochen, die im Bereich "Asyl", "Interkultur",... tätig sind. Bisher ist kein Einwand gekommen und kein Gedanke, der diese Idee als nachteilig für irgendwen oder als problematisch darstellt. Dennoch möchte ich als Nicht-Fachmann äusserst vorsichtig mit solchen Ideen sein und fordere hiermit alle auf, Gegenargumente zu mailen oder auf Probleme, Gefahren hinzuweisen. Damit dabei nicht nur meine Meinung diskutiert wird, habe ich eine Mailingliste eingerichtet, in der eine offene Diskussion stattfinden kann. Jede(r) der die Mailingliste abonniert hat, kann Diskussionsbeiträge schreiben und liest die Beiträge aller anderen:
  • Bitte abonnieren Sie die Mailingliste und mailen Sie Ihre Kritik oder Zustimmung in die Mailingliste! 
  • Liken Sie das Projekt "Asylvorteil" auf Facebook. Auch dort wird es sicher eine Diskussion geben.

Wie geht's weiter?

Ich hoffe, dass die Idee (nachdem sie von vielen kundigen Menschen geprüft und diskutiert wurde) von Unternehmen und Organisationen aufgegriffen wird, und dass für die jeweiligen Schulungen qualifizierten Asylanten Schulungsplätze angeboten werden, in denen sie Kontakt mit deutschen Produkten und Unternehmen bekommen, der dann hoffentlich später beidseitig wirtschaftliche Vorteile bringt.

Ich möchte hier nur einen Anstoß geben, und mit unserem Linuxhotel sind wir bereit, erste Erfahrungen in der Praxis zu machen (obwohl wir selbst keinen wirtschaftlichen Vorteil davon haben, weil unser produktneutrales Schulungsunternehmen natürlich keine internationalen Interessen hat). Andere sind eingeladen, ebenfalls mitzumachen. Letztlich hoffe ich aber, dass die zuständigen Institutionen diese Idee übernehmen, FALLS sie sie für hilfreich halten. Was nicht sicher ist! Deshalb diese vorsichtige Aktion, bei der die Idee vor allem diskutiert und den hoffentlich richtigen Personen bekannt werden soll.

Reinhard Wiesemann, 22.8.14
(Gründer Unperfekthaus, Linuxhotel, Unperfektlabs, GenerationenKult-Haus uvm.)


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